mobil spielend lernen

Supermarkt- Berlin – 13. November 2012

Lernen passiert in den unterschiedlichsten Kontexten, mit den unterschiedlichsten Medien und in jedem Alter, jeden Tag. Tägliches Lernen ist das was uns täglich aktiv und ganz generell am Leben hält.

Lernen ist ein spannendes Thema. Ein Thema, dem ich mich durch meine Unterrichtstätigkeit (Abitur-Intensivkurse) und die Konzeption von E-Learning-Inhalten (abiweb.de) mit viel Freude widme und das mich immer wieder aufs Neue herausfordert.

UND der Grund für mich heute nach Berlin zu fahren um mich bei einer Veranstaltung der LAG Medienarbeit e.V. über die Zusammenhänge zwischen LERNEN und SPIELEN zu erfahren.

Lernen ≠ Spielen

Bis zu einem gewissen Alter ist es uns erlaubt spielend zu lernen. KiTa, Kindergarten, Vorschule…in diesen Phasen des Lebens darf sich der Lernende spielend durch neuen Wissen und neue Erfahrungen toben. Mit dem Eintritt in die Schule kommt es immer mehr zur Trennung von Spiel (= Freizeit) und Lernen (= Schule).

Im Auftaktvortrag von Prof. Dr. Linda Breitlauch wird diese Trennung deutlich. Wo das Spiel, durch das Spiel intrinsisch Belohnung bietet und zum weiter spielen anregt, wird der Lernvorgang immer mehr von Außen gesteuert, von Außen belohnt oder bestraft.

Zitat Jean Piaget:

Das Spiel ist das Zentrum des Lernprozesses und der entscheidende Faktor bei der Ausbildung von Intelligenz.

Frontalunterricht zur Vermittlung von Fakten, Arbeitsblätter, Gruppenarbeit. Lernen wird zur Arbeit, zur ernsten Aufgabe. Von Spiel kann keine Rede mehr sein…Lernen scheint auf die Schule begrenzt, ausserschulisches Lernen scheint ein besonderes Event zu sein.

Betrachtet man dann aber was Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene in der schul- oder arbeitsfreien Zeit tun, so ist das spielen.

Zumeist wird –  vor allem das Spielen am Computer oder mit anderen elektronischen Hilfsmitteln – als absolut schädlich für die Intelligenz und die Denkfähigkeit des Spielenden interpretiert.

Ist dies wirklich so? Lernt man im Spiel oder verspielt man das Lernen?

Eine Studie der Charite hat Menschen untersucht, die in Gefahr waren spielsüchtig zu werden oder dies bereits zu sein. Dabei wurde auch deren Intelligenz untersucht. Entgegen aller Erwartungen, zeigten die Spieler extrem gute Fähigkeiten z.B. bei der Lösung von Problemen. Spielen macht also nicht dumm, ganz im Gegenteil!

Spielen motiviert zu Lernen und weiter Erfahrungen zu machen! Spielen belohnt – wenn das Spiel gut konzipiert ist!

Serious Games

Genau das ist auch schon das Problem der sogenannten Lernspiele! Die Serious Games sind oftmals eine 1:1 Übersetzung der Papierarbeitsblätter. Z.B. Rechnerlernspiele für Kinder, die eine Aufgabe stellen, oftmals die Antwort per Multiple Choice vorgeben um dann – entkoppelt von der Lernleistung eine Belohnung (ein Spiel) anbieten.

Optimal wäre ein Lernspiel, dass beides verbindet, das den Spieler nur dann eine Runde weiter bringt, wenn dieser selbst eine Aufgabe gelöst hat, die für das Weiterkommen im Spiel auch wirklich notwendig ist. Das Fazit: nur wenn ein Spiel Spass macht, nur dann wenn die Herausforderungen groß genug waren und deshalb allein der Spielerfolg, also die „Lernbelohnung“ Belohnung genug ist, nur dann sind Spiele erfolgreich.

Die meisten Lernspiele vernachlässigen diesen Aspekt. Die Belohnung ist genauso wie im Klassenzimmer eine extrinsische Belohnung. Lernen aber allein, der Erkenntnisgewinn ist in einem guten Spiel Belohnung genug.

Was lehren Computerspiele?

Das Hirnvolumen der Computerspieler ist größer als das der Nichtspieler. Ebenso scheinen die Kompetenz Probleme zu lösen wesentlich besser ausgeprägt als in der Kontrollgruppe. Das Situtationsbewußtsein und die Sprachkompetenz verstärkt.

Ein wichtiger Punkt, der das Lernen und Probieren in der vom Computer simulierten Situation verstärkt: ich als Spieler handle in einer anderen Person, bin nicht ich selbst der den Misserfolg zu tragen hat, kann daher mutiger sein und Dinge probieren, die ich im realen Leben nicht tun würde.

Ein Beispiel: mache ich im Unterricht was falsch sind die Chancen sehr hoch, dass mich meine Mitschüler auslachen. Genauso groß sind die Chancen, dass ich mich nicht zu Wort melde um diese unleidliche Erfahrung zu vermeiden…bin ich im Computerspiel ein Avatar, eine Figur ist mir Häme und Misserfolg relativ egal. Ich kann aber aus diesen Handlungsabfolgen lernen und meine Erfahrungen ziehen. Das Computerspiel kann ein „Angst-freier-Lernraum“ werden.

Fazit:

Lernen und sich weiterentwickeln ist ein Motivationspotential von unschätzbarem Wert für den Menschen. Wir lernen am Besten, wenn das Lernen, das Ergebnis einer neuen Erkenntnis selbst uns entlohnt.

Wenn Computerspiele so aufgebaut sind, dann können sie sehr gute Lernwerkzeuge werden/sein.

 

 

 

 

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