Schulmedientag in Göttingen – Eindrücke einer „Nicht-Lehrerin“ (1)

Gestern fand in Göttingen der Schulmedientag statt. Die Auftaktveranstaltung zu insgesamt 5 gleichartiger Verantstaltungen zum Thema „Medienkompetenz in Niedersachsen“.

Der Tag war gefüllt mit einem Auftaktvortrag, ganz am Ende mit einer Podiumsdiskussion und zwei jeweils 1,5 stündigen Workshops. Gut 250 Besucher fanden sich im Hörsaal zusammen um sich über das Thema Medien + Unterricht fortzubilden.

Für mich als „Nicht-Lehrerin“ aber Aktive in Sachen Lernapplikationen für das iPhone und momentan in den letzten Zügen mit dem E-Learning-Portal abiweb.de, war dies eine willkommene Gelegenheit Einblick in die Seele der Schule und die Anwendungsmöglichkeiten von Medien (neuen Medien) in der Schule zu erhalten. Da auch ich Schüler oder Lehrergruppen unterrichte (v.a. im Rahmen der Abitur-Intensivkurse) war es mir wichtig in Kontakt mit den Lehrerinnen und Lehrern zu kommen, die jeden Tag an der Schule im Unterricht stehen.

Keynote: Prof. Dr. Hans Moser zur phasenübergreifenden Medienbildung

Die letzten dreißig Jahre werden bereits von den „neuen Medien“ im Unterricht bestimmt. Der historische Rückblick über den Computerraum der 80ziger Jahre, Notebooks und nun Geräten, die so kleine und leicht zu transportieren sind, aber trotzdem mehr Kapazität besitzen als die hochgepriesenen Notebooks.

Wie wandelt sich der Unterricht durch den Einsatz dieser Medien? Was ist zu beachten?

So war der Titel des Auftaktvortrags auch „Phasenübergreifende Medienbildung, Kompetenzen und Mindeststandards einer medienpädagogischen Grundbildung“.

Medienkonvergenz

Heute zeigen alle Geräte Medienkonvergenz. So kann mit einem Smartphone neben seiner Grundfunktion Verbindung zum Internet geschaffen werden, eine Foto- oder Videoaufnahme erzeugt werden. Musik hören oder eine Fernsehsendung ansehen ist ebenfalls möglich. Durch die Applikationen, die über die Smartphone-Software gesteuert werden, wird manch klassisches Medium überflüssig.

Das ist schon mal ein großer Vorteil. Wo früher noch teure Kameras entliehen werden mussten oder im Zweifelsfall überhaupt nicht für den Unterrichtseinsatz zur Verfügung standen, hat heute fast jedes Kind seine eigene Kamera dabei…

Schülerexperten

Dürfen private Geräte genutzt werden und was stellt die Schule zur Verfügung?

Was bei den ersten Computern schon der Fall war und nun mit den Smartphones noch deutlicher wird: oft ist der Lehrer nicht der Experte. Wie kann die Kompetenz der Schüler in den Unterricht miteinbezogen werden?

Mobilität

Notebooks und Smartphones ermöglichen ein Lernen an jedem Ort. Das muss nicht die Schule sein. Prof. Ernst greift in seiner Keynote verschiedene Fragen auf:

  • Ist es sinnvoll wenn man überall lernt?
  • Wird der Alltag verschult?

Bei diesen Beobachtungen muss ich mich mal mit einer kritischen Bemerkung einbringen: Lernt der Mensch nicht überall? Wäre es nicht fatal, lernen würde nur in der Schule stattfinden? Auch schon vor Smartphones und Co. haben immer die Leute am Besten gelernt, die mit offenen Augen durch die Welt gegangen sind und das Wissen aus der Schule mit dem Leben „draussen“ verknüpft haben. Auch schon vor allen mobilen Endgeräten war lernen ausserhalb der Schule möglich und mehr als notwendig!

Organisatorisch aufwändig und wichtig:

  • Wo ist die Zentrale des Netzwerks, wenn Schüler in der Schule und Zuhause am Computer arbeiten.

Was wird im Unterricht möglich?

Audiovisuelle Lerneinheiten werden durch den Einsatz von Medien verstärkt. Pull-Medien, das heisst der Zugriff auf Informationen im Internet aber auch das Einbringen von Informationen bilden eine neue Lernkultur, die nun vom gemeinsamen Erzeugen von Wissen lebt.

Also entwicklet sich Lernen weg vom Frontalunterricht hin zu einer partizipatorischen Lernkultur. So wird der Schüler auch gleichzeitig zum Produzenten von Wissen. Lernen wird durch den Einsatz mobiler Medien wie Tablets und Smartphones kooperativer. Kommentar meinerseits: Das bedarf aber auch einer Lehrperson, die das Wissen der Schüler einordnen und zulassen kann.

Mindeststandards

Hilfestellungen für die Lehrpersonen wird durch sogenannte Mindeststandards gewährleistet. Diese Matrix setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

  • Können demonstrieren
  • Austausch miteinander fördern
  • Reflexion über Medien fördern
  • Medienwissen
  • Handlungskompetenz
  • soziale Kompetenz

Kompetenz des Lehrpersonals?

Aus meist „Bewahrpädagogischen Mustern“ heraus ist das Lehrpersonal eher zögerlich im Umgang mit den Medien Notebook oder Smartphone. Im Gegensatz zeigen Studierende des Lehramts mehr Kompetenz in Sachen Medien. In Umfragen beurteilen Sie ihre Kompetenz als „gut bis sehr gut“ wenn es um einfache Internetrecherchen geht, als nicht ausreichend hingegen, wenn es zum das eigene Einbringen in das Web 2.0 geht (Blog schreiben, Wikis anlegen…). Auch Dinge wie die Nutzung einer Dropbox oder das Design einer Webpage sind eher dürftig im Wissen der Studierenden verankert.

Didaktik über Technik

Ernst forderte in seinem Vortrag, dass die Medienbildung in die Fachdidaktik eingliedert sein muss. Das ist auch sinnvoll. Aber nutzen wir nicht schon seit Jahrzehnten einen Taschenrechner in Mathematik oder Physik?

Was bringt die Medienarbeit?

  • (+) Motivation
  • (+) einen erweiterten Zugang zu bestimmten Themen
  • (-) Ablenkung
  • (-) überflüssig/Zeitverschwendung

Gut wird es nur, wenn die Technik Hilfsmittel aber nicht Mittelpunkt des Unterrichts ist.

Mein persönliches Fazit:

Alles in Allem muss ich sagen: mir war der Vortrag zu theoretisch. Es ist gut zu hinterfragen und es ist ebenso gut Richtlinien als Hilfe für das Lehrpersonal herauszugeben. Aber am Reißbrett eine Anleitung für das Unterrichten zu geben bzw. Studien aus 2001 für die heutigen Schüler einzusetzen spiegelt nicht den Stand der heutigen Schülerschaft wieder. Die Theorie kann nie alles abdecken, die „Welt da draussen“ dreht sich jeden Tag ein Stück weiter und ich hatte das Gefühl alle theoretischen Ansätze kommen da nicht hinterher. Die Praxis zeigt ganz andere Seiten, die ein für seine Schülerinnen und Schüler offener Lehrer ganz intuitiv nutzen kann. Ob das dann kooperativ, konstuktivistisch, frontal, im double loop oder partizipatorische Pädagogik ist, ist dem Schüler ziemlich egal, so lange er Freude am Unterricht hat.  Im Sinn „Probieren geht über Studieren“ erreicht man sicherlich mehr.

Übrigens: Ca 80% der Zuhörerschaft (alles Lehrer oder Studierende des Lehramts) haben während des Vortrags mit dem Handy gedaddelt oder sich mit dem Sitznachbarn unterhalten. Ganz sicher wollten auch diese Zuhörer schneller in die Praxis:-)

Im zweiten Teil meines Berichts geht es dann tatsächlich in die Praxis. Thema ist „Tablets im Unterricht“. Ein Workshop von Ulf Blanke (IGS Volkmarrode, Braunschweig)

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