Ist der G8-Zauber schon vorbei?

Jedem Neuanfang liegt ein Zauber inne…

Das hat schon Hermann Hesse gesagt: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Das ist gut so. Es gibt nicht schöneres als was Neues auszuprobieren, zu optimieren und dabei viele Erkentnisse zu gewinnen.

Leider ist das Probieren, Optimieren und der Erkenntnisgewinn nicht ganz so groß bzw. spannend, wenn die Probephase auf dem Rücken tausender Schülerinnen und Schüler ausgetragen wird.

Ja, ich rede von der Einführung des „verkürzten Abiturs“. G8 war das Zauberwort, die Zauberformel über viele Jahre hinweg. Die Schüler müssen jünger sein, wenn sie die Schule verlassen. Jüngere Studierende, jüngere Promovierende, jüngere Forscher….aber ist JUNG wirklich alles?

Bundesländer und ihre Erfahrungen

Bei meiner Zeitungslektüre heute morgen ist mir ein Artikel im Göttinger Tageblatt aufgefallen, der unter dem Titel „Lernen wir zu lang oder zu schnell?“ über die Erfahrungen aus den ersten G8 Jahrgängen berichtet.

Dort steht auch zu lesen, dass die Zahl der „Einzerabiturnoten“, also die Zahl der Spitzenschüler um 1/3 angestiegen ist. Gleichzeitig ist aber auch zu vermerken, dass die Durchfallquote von 1,5 % auf 3,7% angestiegen ist. Das Turboabitur sortiert offenbar schlechtere Schüler aus…

Sind 8 Jahre genug?

Gute Frage! Ganz sicher sind 8 Jahre genug. Die neuen Bundesländer haben schon immer im 8-jährigen Gymnasium die Hochschulreife erreicht. Meine persönliche Erfahrung mit  Schülerinnen und Schüler aus Thüringen oder Sachsen hat mich mit sehr gut informierten und super motivierten Klassen und Lehrern zusammen gebracht. Andere Länder gehen auch den „kurzen Weg“ zum Abitur. Es sollte also genug Zeit vorhanden sein.

Werden zu vielen Inhalte unterrichtet?
Auch hier bin ich mir nicht so sicher…ist der Lernstoff wirklich soviel mehr geworden? Was den Schülerinnen und Schülern (und sicherlich auch den Lehrern) in Niedersachsen zu schaffen macht ist nach G8 die neuerliche Umstellung auf das Kerncurriculum. Ganz im Gegensatz zu Herrn Althusmanns Aussage (GT-Artikel „Lernen wir zu lang oder zu schnell?“ vom 5. September 2012) sorgt das Kerncurriculum für mehr Lernstoff und Ratlosigkeit bei den betroffenen Schülern. Das haben die Aussagen und Rückmeldungen der Teilnehmer aus den Abitur-Intensivkursen 2012 deutlich gezeigt.

wie wird Zeit in der Schule genutzt?

Den Stoff von 9 Jahren in 8 zu packen ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. Ich gebe zu, ich möchte nicht in den Kommissionen oder Lehrerzimmern sitzen, die die Planung für das kommende Schuljahr zu machen haben. Trotzdem etwas Kritik von meiner Seite, die ich mir nicht verkneifen kann: Warum ist es möglich, dass in der kompletten ersten Schulwoche in einer 5. Klasse kein regulärer Unterricht stattfindet, obwohl Kinder als auch Lehrer anwesend sind? Wieviel Zeit vergeht ungenutzt durch ausgefallene Stunden und Stillarbeit, die nicht nachkontrolliert wird. Warum funktioniert das System G8 nur „im Westen“ nicht? Was können die Schulmachen von den „G8-Staaten“ lernen? Wenn ich mir die Lehrpläne für Thüringen ansehe wird dort genauso viel verlangt und es funktioniert.

Nachbessern ist angesagt

G8 ist grundsätzlich eine gute Idee. Vielleicht würde das Konzept besser funktionieren, wenn statt 30 nur 20 Kinder in einer Schulkasse sitzen würden. Wenn das Lehrpersonal nicht von Reform zu Reform geschupst würde und mal wieder Zeit für guten Unterricht  finden würde….das macht G8 sicherlich machbar!

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